Der Apostel Paulus und der synodale Prozess

Im ersten Korintherbrief kann man, meiner Meinung nach, die wohl schönste Parabel über die Gestalt der Kirche lesen, so wie sie sich der Apostel Paulus im Jahr 55 nach Christus dachte. Dabei stellte er einen anatomischen Vergleich an. Alle, die im Glauben an Jesus Christus getauft werden, seien wie die Teile eines menschlichen Körpers.

Jede und jeder habe seine spezifische Rolle und Aufgabe und gehöre dennoch selbstverständlich und notwendig zum Ganzen. „Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich bin nicht auf dich angewiesen. Der Kopf kann nicht zu den Füßen sagen: Ich brauche euch nicht.“

Paulus, der selbst Jesus nie begegnet ist, bezeugt durch diesen Brief an die Gemeinde in Korinth wohl einen ersten „synodalen Prozess“ unter denen, die sich nach dem Tod Jesu zu den Freunden des neuen Wegs zählen.

Taufe durch denselben Geist

Es geht um Gemeinschaft, Partizipation und Mission. Alle sind dazu berufen. Für Paulus zählt allein die Taufe durch denselben Geist. Alle Getauften gehören demnach gleichwertig zu derselben Gemeinschaft mit Jesus. Jedem Mitglied muss die gleiche Ehre erwiesen werden. Diejenigen, die schwächer als andere erscheinen, müssen besondere Beachtung finden. Wenn ein Mitglied der Gemeinschaft leidet, leiden automatisch alle mit ihm. Wird aber ein Mitglied der Gemeinschaft besonders geehrt, freuen sich alle mit ihm. Nur wenn jedes Mitglied auf die Anliegen und Bedürfnisse der anderen hört und entsprechend reagiert, um ihm zu helfen, bleibt die Gemeinschaft unbeschadet. Hier ist von Respekt, Solidarität und Teamgeist die Rede.

Dies alles sind Anliegen, die Papst Franziskus mit dem synodalen Prozess der katholischen Christenheit für den Umgang miteinander und mit allen Menschen aufgetragen hat.

Eine epochale Reformchance

Paul Michael Zulehner bezeichnet in seinem neusten Buch den synodalen Prozess als epochale Reformchance. Wer Reformen voranbringen möchte, muss einfach nur an den Anfang der Jesusbewegung gehen, sagt Stefan Jürgens in seinem Buch mit dem Titel „Ausgeheuchelt“ über seine Vision, wie es mit der Kirche wieder aufwärts gehen kann: „Der Reformer geht zurück bis zum Anfang. Er versucht daran anzuknüpfen, wie es einmal begonnen haben mag. Begeistert ruft er: Wir müssen auf Jesus hören. Der Traditionalist geht zurück in seine Kindheit. Er macht aus seiner Wehmut eine allgemein verbindliche Lehre. Beleidigt behauptet er: Es war schon immer so.“ Paulus ist ebenfalls ein Reformer. Seine Anliegen von damals sind denen von heute erstaunlich ähnlich. Es geht um die Fragen, die schon die ersten Jünger Jesus stellten: Wer hat welche Stellung in der Gemeinschaft, wer übt welches Amt aus und wozu ist er oder sie gesandt? Jesus antwortete damals: Wer der Größte unter Euch sein will, soll der Diener aller sein. Paulus vergleicht Christus mit seinem Bild vom Leib mit den vielen Gliedern und spricht so jedem Getauften die Mitgliedschaft am Leib Christi zu.

Kirche braucht Vielfalt, Toleranz und inklusives Denken

Daraus nun aber konkrete Reformideen für die Kirche abzuleiten, ist gar nicht so einfach. Ohne eine Struktur, die Kontinuität garantiert, geht es nicht. Vieles, was unsere Kirche bis heute ausmacht, gehört zum Grundgerüst christlichen Glaubens und Lebens. Daneben gibt es aber auch Vieles, was keinen Bestand mehr hat, sinnentleert ist und von der Basis nicht mehr unterstützt wird. Von den Beauftragten des synodalen Prozesses wird nun erwartet, dass sie das eine vom anderen unterscheiden. Die größte Herausforderung dürfte darin bestehen, der Verschiedenheit gelebten Christentums weltweit Rechnung zu tragen. Es braucht Toleranz und die Bereitschaft zu inklusivem Denken, damit die Vielfalt in der Einheit gesund und erhalten bleibt, so wie der Leib nur bestehen kann, wenn es allen Gliedern darin gut geht.

Christine Bußhardt,
Pastoralreferentin im Dekanat Süden-Ost

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